Das Unbehagen vor dem weißen Blatt Papier.
Wer kennt das nicht? Sie wurden aufgefordert eine Präsentation zu einem Thema zu machen, eine Idee, die Sie beiläufig äußerten zu Papier zu bringen, einen Artikel zu schreiben, ein Konzept zu entwickeln … und nun sitzen Sie vor dem berüchtigten leeren Blatt Papier. Dies ist in den meisten Fällen zwar eher ein weißer Bildschirm, will sich aber trotzdem nicht füllen!
Dieses als Horror vacui bekannte Phänomen ist weit verbreitet und betrifft gleichermaßen alle Berufssparten, die etwas zu Papier bringen wollen…. Businessleute, Wissenschaftler und selbst Schreibprofis wie z.B. Journalisten. In den meisten Fällen ist dabei jedoch der Kopf nicht leer, sondern viel zu voll! Viele verschiedene Fragen, Ideen und Ansätze schwirren durcheinander. Sie können jedoch kein wirkliches Gehör finden, weil sie sofort wieder von neuen Impulsen unterbrochen werden. Darüber hinaus bemühen wir gleichzeitig unterschiedliche Denkstile: Wir versuchen einen kreativen Anfang zu finden und sogleich kommt uns der innere Kritiker dazwischen, und schlägt auf die soeben aufgekeimten Ideenpflänzchen ein. Oder er fragt, was das Ganze eigentlich soll!
Diese Gleichzeitigkeit – die sich als undiszipliniertes Durcheinanderplappern oder als weißes Rauschen zeigen kann – ist das Problem! Wir können nicht gleichzeitig große Ideen entwickeln und sogleich strukturieren, bewerten und kritisieren. Diese Gehirnfunktionen schließen sich gegenseitig aus.
Bei der konzeptionellen Arbeit müssen nun mehrere und vielfältige Herausforderungen bewältigt werden – und das innerhalb kürzester Zeit: das Ziel klären, Informationen recherchieren und strukturieren, neue Lösungen entwickeln und das Ganze überzeugend auf Papier und zu den Empfängern bringen. Wenn wir versuchen diese Herausforderungen gleichzeitig zu bewältigen, machen wir es uns unnötig schwer. Das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Arbeitsschritten kostet viel Zeit und Nerven. Ungeordnete Vorgehensweisen führen zu Mehrfachschleifen und zu erhöhtem Arbeitsaufwand. Meist blockieren wir damit sogar aktiv unser Gehirn. Und dann geht erst einmal nichts mehr.
Wie entwickele ich ein Konzept – Der Fahrplan
Strukturiertes Vorgehen ist der Schlüssel zum Erfolg. Arbeiten Sie systematisch und Schritt für Schritt. Mit dem folgenden Fahrplan finden Sie einen guten Start für Ihre Gedanken und gelangen sicher zum Ziel:
Schritt 1: Ziel klären – der wichtigste erste Schritt beim Konzept entwickeln
Vorhaben beginnen zunächst oft unklar: “Machen Sie mal… ein Konzept, eine Präsentation, eine Vorlage…“, heißt es dann zwischen Tür und Angel. Der häufigste Grund für Unbehagen vor einem Thema und Prokastination (Aufschieberitis) liegt genau darin, dass das Thema nebulös formuliert wurde und einfach noch nicht klar ist. Und wenn das Ziel nicht deutlich ist, kann auch kein Weg der richtige sein.
Sorgen Sie für also für ein gemeinsames Verständnis der Ausgangssituation und der Ziele. Denn ungeklärte Themen kommen garantiert wie ein Bumerang zurück und verursachen in der Regel Mehrarbeit. Darüber hinaus sind sie der häufigste Grund für den Misserfolg von Konzepten. Je sorgfältiger Sie in dieser Phase sind, desto weniger Aufwand werden Sie in der Folge haben und desto sicherer werden Sie das Ziel ansteuern.
Schritt 2: Informationen recherchieren und organisieren
Wenn das Ziel geklärt ist, beginnen Sie die Recherche mit einer klaren Recherchestrategie. Setzen Sie Rechercheziel und –zeit fest. Nutzen Sie vielfältige Quellen um einer einseitigen Perspektive auf das Thema vorzubeugen. Das Mindmap eignet sich hervorragend als erste und sehr effiziente Strukturierungsmethode. Sie hat den enormen Vorteil, dass sie schnell das besagte „weiße Blatt Papier“ füllt – und häufig bereits eine mögliche Struktur Ihres Konzeptes produziert. Mit dieser Methode habe ich bereits erfolgreich innerhalb von kürzester Zeit das Fundament von zwei Büchern und vielen Trainingskonzepten gelegt.
Schritt 3: Ideen und Lösungen entwickeln
Konzepte werden dort nachgefragt, wo etwas Neues entstehen oder etwas Bestehendes verändert werden soll. Die Herausforderung in dieser Konzeptphase liegt also hierin, bewährte und eingefahrene Bahnen zu verlassen und kreative Lösungen zu entwickeln. Das Geheimnis der Kreativität beruht auf der expliziten Trennung der verschiedenen Denkfunktionen: Das logisch-analytische Denken von dem kreativen Denken. Erst nach der kreativen Problemlösung darf also bewertet, kritisiert und über die Umsetzung nachgedacht werden. Das erfordert etwas Disziplin und kann durch verschiedene Kreativitätstechniken hervorragend unterstützt werden.
Schritt 4: Schlüssig strukturieren
Ein Werk erscheint schlüssig, wenn die Schlussfolgerungen, die Sie ziehen für die Rezipienten nachvollziehbar sind. Hier hat es sich bewährt mit Kernbotschaften zu arbeiten, d.h. zu überlegen: Was ist die wesentliche Hauptaussage oder der zentrale Hebel? Aus diesem Fokus heraus können Sie gemäß des pyramidalen Prinzips Ihre Aussagen oder Empfehlungen ableiten und ausdifferenzieren.
Schritt 5: Überzeugend schriftlich darstellen
In dieser Phase ist nun ein Perspektivenwechsel erforderlich. Setzen Sie sich auf den Stuhl der Empfänger und betrachten Sie von dort das Thema. Knüpfen Sie an die (in der Zielklärung herausgearbeiteten) Ziele und Interessen der Empfänger an und erläutern Sie das Thema konsequent und nachvollziehbar aus dieser Perspektive. Dann wird man Ihrer Argumentation gerne folgen.
Schritt 6: Erfolgreich kommunizieren
Konzeptarbeit findet häufig im Elfenbeinturm statt – an Schreibtischen, weit weg vom Tagesgeschäft und von den betroffenen Personen. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten ist meist intensiv, die Auseinandersetzung mit den beauftragenden, beteiligten und betroffenen Personen meist weniger intensiv. Damit Ihre Ideen ins Laufen kommen, ist es wichtig, den Elfbeinturm zu verlassen und aktiv mit den Feldspielern in Kontakt zu treten.
Konzeptvorlage zum Download
Wie dann ein Konzept in seiner Struktur aussieht, sehen Sie in im Konzepttoolbox Bereich. Hier gibt es auch die Konzeptvorlage als Word Dokument zum Download.
Konzeptcheck
Wenn Sie überprüfen wolle, ob Ihr Konzept Aussicht auf Erfolg hat, machen Sie den Konzeptcheck mit dem Zebra Prinizip. Zu dieser Checkliste geht es hier.
Wenn Sie gleich Konzeptentwicklung systematisch angehen möchten und Feedback auf Ihr Konzept(entwurf) möchten, finden Sie hier verschiedene Angebote: Training, Coaching, Buch und Toolbox rund um Konzeptentwicklung.
Fazit: Mit diesem Konzeptfahrplan finden Sie einen leichten Start und vermeiden Denk- und Schreibblockaden. In dem Sie Schritt für Schritt vorgehen, kommen Sie schneller und sicherer zum Ziel. Die Konzeptvorlage ist eine wunderbare Strukturierungshilfe und das Zebraprinzip ist Ihre Qualitätskontolle. Damit sind Sie bestens gerüstet für Ihre Konzeptreise.
Ausführlicher nachzulesen sind diese Phasen mit vielen nützlichen Tipps in dem neu erschienenen Buch „Erfolgreiche Konzepte. Eine Praxisanleitung in 6 Schritten“ von Katja Ischebeck im Gabal Verlag.
FAQ-Block
Häufige Fragen zum Konzept entwickeln
Was gehört in ein gutes Konzept? Ein gutes Konzept enthält mindestens: eine klare Zieldefinition, eine Analyse der Ausgangssituation, Lösungsansätze oder Maßnahmen, empfängerorientierte Nutzenargumentation und Sprache, sowie konkrete nächste Schritte. Je nach Kontext kommen Ressourcenplanung, Zeitplan und Erfolgskriterien hinzu.
Wie lang sollte ein Konzept sein? So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Ein internes Konzept kann zwei oder mehrere Seiten umfassen, ein strategisches Konzept für einen Vorstand zehn bis fünfzehn. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die Klarheit. Vollständigkeit ist kein Qualitätsmerkmal.
Was ist der Unterschied zwischen einem Konzept und einem Projektplan? Ein Konzept beantwortet die Frage: Was soll erreicht werden – und warum? Es ist die konzeptionelle Grundlage. Der Projektplan beantwortet: Wie wird es umgesetzt – wer macht was bis wann? Das Konzept kommt zuerst.
Wie fange ich an, ein Konzept zu schreiben? Nicht mit dem Schreiben – sondern mit dem Denken. Klären Sie zuerst den Auftrag, das Ziel und die Empfänger. Erst wenn diese drei Fragen beantwortet sind, lohnt sich das Schreiben. Wer zu früh beginnt, schreibt oft am Ziel vorbei.
Was ist das ZEBRA-Prinzip? Das ZEBRA-Prinzip ist ein von Katja Ischebeck entwickeltes Qualitätsmodell für Konzepte: Zielorientiert, Empfängerorientiert, (beherzt) auf den Punkt gebracht , Realistisch und Aktivität auslösend. Es hilft dabei, Konzepte nicht nur zu schreiben, sondern wirklich zu durchdenken, so dass sie gelingen können.

















