Wie ein Verlagsteam neue Produkte entwickelt — mit Methode und KI als Co‑Pilot
Erlebnisbericht aus einem Konzept‑Workshop | Katja Ischebeck
Eigentlich sollte es ein normaler Workshop werden. Eineinhalb Tage, ein paar Innovationsmethoden — und zurück ins Tagesgeschäft. Drei Wochen später ist klar: Es wurde ein strategischer Auftakt, der weit über die ursprüngliche Anfrage hinausging.
Ein mittelgroßer Fachverlag (700 Mitarbeitende) stand vor einer klaren Herausforderung: Kundinnen und Kunden erwarten heute arbeitsnahe, zeitsparende Lösungen statt reiner Fachinformation. Gleichzeitig verändert KI die Branche rasant. Die Geschäftsführung wollte deshalb ein Team befähigen, neue Produktideen strukturiert zu entwickeln — mit Methode und KI, aber ohne Showeffekte.
Genau diese Art Auftrag liebe ich: konzeptionell, strategisch, menschlich — und mit einem klaren Anspruch an Qualität.
Phase 1: Auftragsklärung — drei Perspektiven, ein gemeinsamer Rahmen
Im ersten Gespräch mit Geschäftsführung und HR-Leitung wird schnell klar: Es gibt nicht einen Auftrag, sondern drei unterschiedliche Erwartungen.
1. Geschäftsführung
„Wir brauchen konkrete Produktideen für das nächste Jahr.“ → Fokus: Ergebnisse, Chancenräume, Konzeptskizzen
2. HR-Leitung
„Das Team soll lernen, Innovation selbstständig zu betreiben.“ → Fokus: Methodenkompetenz, Befähigung, nachhaltiges Lernen
3. Organisation
Unausgesprochen, aber deutlich: „Wir müssen zeigen, dass Innovation ernst gemeint ist.“ → Fokus: Signalwirkung, Kultur, Zukunftsorientierung
Diese drei Ebenen sauber zu trennen, ist entscheidend. Wir entwickeln eine Dramaturgie, die alle drei Ziele trägt: Ergebnisse + Lernen + kulturelle Wirkung.
Phase 2: Strategischer Rahmen — bevor Ideen entstehen
Vor dem Workshop führen wir ein kurzes strategisches Briefing, einen Fragebogen und eine Sichtung von Kundensignalen durch. Das spart am ersten Tag Stunden.
Ergebnis:
- Der Verlag positioniert sich zwischen Fachinformation und arbeitsnaher Anwendung.
- Das Team ist heterogen: euphorisch, skeptisch, vorsichtig, neugierig.
- Eine Person schreibt: „Ich glaube nicht, dass wir in zwei Tagen Innovation schaffen.“
Genau deshalb braucht es eine Dramaturgie, die Druck rausnimmt und Denken erleichtert.
Phase 3: Tag 1 beginnt — Orientierung, Analyse und erste Chancenräume
Am Morgen des ersten Workshop-Tages kommt das Team zusammen: zwölf Personen aus Produktmanagement, Redaktion und Innovation. Die Stimmung ist gemischt — neugierig, vorsichtig, ein wenig skeptisch. Genau deshalb startet Tag 1 nicht sofort kreativ, sondern mit einer strukturierten gemeinsamen Orientierung.
1. Strategischer Rahmen und Leitplanken für Produktinnovation
Wir klären: Wofür steht der Verlag? Welche strategischen Ziele sind gesetzt? Welche Art von Produkten passen zur Positionierung — und welche nicht?
2. Stärken, Chancen und relevante Markt- und Technologietrends
Wir betrachten gemeinsam:
- Stärken des Hauses
- Marktchancen
- relevante technologische Entwicklungen, insbesondere KI
3. Zielgruppen, Nutzungskontexte und Pain Points
Das Team arbeitet heraus:
- wichtigste Zielgruppen
- Nutzungssituationen
- zentrale Pain Points
4. Entwicklung relevanter Chancenräume und erster Produktansätze
Aus diesen Erkenntnissen entstehen erste Chancenräume — konkrete Felder, in denen Innovation sinnvoll, machbar und strategisch anschlussfähig ist. Erst hier entwickeln wir erste Produktansätze: roh, aber klar genug, um weiterzudenken.
Kreativphase an Tag 1 — Methoden, die unter Druck nicht blockieren
Wir arbeiten mit gezielten Kreativitätstechniken:
- Progressive Abstraktion
- 6‑3‑5‑Methode
- Walt‑Disney‑Strategie
- Kopfstandmethode
Die Kopfstandmethode wird zum Aha-Moment: „Wie würden wir garantiert das schlechteste Produkt entwickeln?“ Die Antworten sprudeln. Aus der Negativliste entstehen plötzlich eigene Qualitätskriterien.
Tag 1 endet mit zwölf ersten Ideen: roh, mutig, überraschend klar. Die Tiefe kommt an Tag 2.
Phase 4: Tag 2 — der KI Konzept‑Navigator kommt ins Spiel
Tag 2 hat eine andere Aufgabe: Aus zwölf Ideen werden drei bis vier — und diese werden ernsthaft geprüft.
Jetzt kommt zum ersten Mal KI ins Spiel. Bewusst spät. Tag 1 war menschliches Denken. Tag 2 darf der Co‑Pilot mitfliegen.
Alle Teilnehmenden erhalten Zugriff auf den KI Konzept‑Navigator — meinen digitalen Sparringspartner für Konzeptarbeit.
Er unterstützt das Team, indem er:
- Fragen stellt
- Denkfehler sichtbar macht
- Annahmen prüft
- Varianten vergleicht
- Formulierungen schärft
Die ersten 30 Minuten sind Einführung. Danach arbeitet das Team in Gruppen.
Jede Gruppe prüft zwei bis drei Ideen:
- Welche Pain Points adressiert die Idee?
- Welche Zielgruppe passt?
- Was spricht dafür, was dagegen?
- Welche Annahmen müssen geprüft werden?
- Welche Variante wäre stärker?
Der Navigator liefert keine Antworten — er liefert Reibung. Und genau das macht die Ideen besser.
Phase 5: Konzepte schärfen & Pitches bauen
Aus den zwölf Ideen werden vier. Diese vier werden entlang der Konzeptlogik ausgearbeitet:
- Pain Point
- Zielgruppe
- USP
- Wettbewerb
- Preislogik
- Auslieferung
- Umsetzbarkeit
Zum Abschluss baut jede Gruppe einen dreiminütigen Pitch. Der Navigator prüft Formulierungen, Argumente und Verständlichkeit.
Am Ende stehen vier ausgearbeitete Konzepte und vier präsentationsreife Pitches.
Phase 6: Was bleibt — und was das Team wirklich mitnimmt
In der Schlussrunde sagt eine Teilnehmerin: „Ich dachte, KI nimmt uns Arbeit ab. Jetzt weiß ich: Sie macht unsere Arbeit besser — wenn wir gute Fragen stellen.“
Ein anderer Satz bleibt hängen: „Ich habe verstanden, dass Innovation Methode ist, nicht Genialität.“
Alle behalten Zugriff auf den Navigator — und nutzen ihn weiter.
Phase 7: Vier Wochen später — was der Verlag selbst weiterführt
Drei der vier Konzepte werden weiterverfolgt. Eines steht kurz vor der Prototypfreigabe. Mehrere Teilnehmende nutzen den Navigator inzwischen wöchentlich.
Die HR‑Leiterin schreibt: „Was dieses Team erlebt hat, sollten andere Teams auch erleben.“
Was Sie aus diesem Erlebnisbericht mitnehmen können
- Auftragsklärung schützt vor Enttäuschungen.
- Erst denken, dann KI.
- Ein Workshop wirkt nur, wenn das Werkzeug danach nutzbar bleibt.
Für wen dieses Format ideal ist
- HR‑Verantwortliche
- Geschäftsführungen
- Produkt‑ und Innovationsteams
- Organisationen, die KI sinnvoll integrieren wollen
Sie möchten mit Ihrem Team neue Produkte entwickeln?
Mein Konzept‑Workshop verbindet methodische Tiefe, klare Struktur und KI als Co‑Pilot — im Workshop und im Alltag.
Wenn Sie das Thema weiter vertiefen möchten, finden Sie auf meiner Übersichtsseite zu Konzeptentwicklung weitere Angebote, Impulse und Ressourcen.

















