KI-Kompetenz im der Konzeptentwicklung

Neulich, Trainerinnen unter sich.

„Ich arbeite inzwischen auch mit KI in meinem Konzepttraining“, sage ich zu einer Kollegin. Sie schaut mich erstaunt an. „Echt? Können das nicht bereits viele?“

Ich lache. „Kommt drauf an.“

Denn genau das erlebe ich ständig: Beim Thema KI und Konzeptarbeit liegen die Kompetenzniveaus erstaunlich weit auseinander. Wenn ich in Trainings frage, wie die Teilnehmenden KI bei der Entwicklung von Konzepten nutzen, kommt manchmal erst einmal Schweigen. Manche sagen: „Ich lasse damit ab und zu recherchieren.“ Andere haben erste Versuche mit Strukturierung oder Formulierungen gemacht. Und dann sitzen im selben Raum auch Menschen, die schon sehr souverän mit KI arbeiten – mit eigenem Prompt-Workflow, Perspektivwechseln, Gegencheck und Agenten.

Kurz gesagt: In einem Raum sitzen heute oft Menschen, die noch am Beckenrand stehen – und andere, die schon für den Triathlon trainieren.

Und genau darin liegt die Chance.

KI-Kompetenz ist sehr unterschiedlich verteilt

Diese Unterschiede zeigen sich nicht nur im Workshop, sondern im ganz normalen Arbeitsalltag.

Die einen nutzen KI bereits selbstverständlich: zum Strukturieren, Verdichten, Formulieren, Gegenlesen oder Weiterdenken. Andere tasten sich erst langsam heran. Nicht aus Desinteresse, sondern weil ihnen noch Orientierung, Übung oder ein sinnvoller Anwendungsrahmen fehlen.

Gerade in der Konzeptarbeit fällt das besonders auf. Denn dort reicht es nicht, einfach ein paar Sätze erzeugen zu lassen. Wer an einem Konzept arbeitet, muss komplex, vielschichtig und strukturiert arbeiten: Ziele klären, Zielgruppen verstehen, Ideen strukturieren, Nutzen herausarbeiten, Stakeholder einbeziehen und am Ende überzeugend kommunizieren.

Genau da zeigt sich, wie unterschiedlich KI-Kompetenz wirklich ist.

Was Studien zu Kernkompetenzen sagen

Auch Studien zeigen, dass die Bedeutung steigt und die Unterschiede real sind. Das World Economic Forum erwartet, dass sich bis 2030 39 % der Kernkompetenzen von Beschäftigten verändern werden. Gleichzeitig sehen 62 % der Führungskräfte in ihrem Unternehmen bereits eine Lücke bei der AI Literacy. Und 51 % der Manager erwarten, dass KI-Training oder Upskilling in den kommenden fünf Jahren zu einer Kernaufgabe ihrer Teams wird.

Konzeptarbeit mit KI heißt nicht: „Schreib mir mal ein Konzept“

Das ist mir wichtig: Konzeptarbeit mit KI heißt nicht, dass die KI einem einfach ein Konzept ausspuckt. Das wäre viel zu kurz gedacht.

Spannend wird KI dort, wo sie hilft, klarer zu denken und sauberer zu konzipieren: Ziele zu schärfen, Hintergründe zu strukturieren, Zielgruppen und Stakeholder besser zu verstehen, Ideen weiterzuentwickeln, Nutzenargumentationen zu verdichten und Konzepte auf Logik, Klarheit und Anschlussfähigkeit zu prüfen.

Gerade deshalb ist KI in der Konzeptarbeit so spannend. Nicht als Schreibautomat, sondern als Sparringspartner.

Wenn Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, finden Sie hier weitere Impulse zur Konzeptentwicklung mit KI.

KI ersetzt keine Konzeptkompetenz – sie verstärkt sie

Das ist für mich der eigentliche Punkt:

KI ist keine Konzeptkompetenz. Sie verstärkt sie.

Wer klar denkt, sauber fragt und die eigene Aufgabe verstanden hat, bekommt mit KI oft schneller bessere Ergebnisse. Wer unklar arbeitet, produziert mit KI manchmal vor allem eins: schneller noch mehr Unklarheit und Nebel.

Die Qualität der Ergebnisse hängt eben nicht nur vom Tool ab, sondern von der Qualität des Denkens davor: von Zielklarheit, Auftragsklärung, Empfängerorientierung und der Fähigkeit, Relevantes von Unwichtigem zu unterscheiden.

Genau deshalb ist die Diskussion über KI im Arbeitsalltag für mich keine reine Tool-Diskussion. Sie ist immer auch eine Kompetenzfrage.

Warum das gerade in Trainings wichtig ist

Folgerichtig geht es in guten Konzepttrainings mit KI aus meiner Sicht nicht darum, nur ein paar nette Tools vorzuführen.

Es geht darum, KI sinnvoll in den Konzeptprozess zu integrieren:

  • vom Klären des Auftrags
  • über Recherche und Ideenentwicklung
  • bis zur Strukturierung
  • Ausarbeitung
  • und überzeugenden Kommunikation.

Genau dafür habe ich den KI Konzept-Navigator entwickelt: ein digitales Tool, das die Teilnehmenden strukturiert durch die verschiedenen Phasen der Konzeptarbeit führt – mit passenden Prompts, einer klaren Methodik im Hintergrund und dem Ziel, KI nicht punktuell, sondern wirklich sinnvoll in den Konzeptprozess einzubinden.

Genau dort wird KI alltagstauglich und wirklich brauchbar.

Denn die Teilnehmenden brauchen nicht nur die Antwort auf die Frage: „Was kann ChatGPT oder ein anderes Tool?“ Sie brauchen Antworten auf Fragen wie:

  • Wofür nutze ich KI in meiner Rolle wirklich?
  • Wo hilft sie mir in meiner täglichen Arbeit?
  • Wie verbessere ich damit meine Konzeptarbeit?
  • Und wo brauche ich bewusst weiterhin mein eigenes Urteil?

Wenn diese Fragen geklärt sind, wird aus Tool-Nutzung echte KI-Kompetenz.

Mehr dazu, wie ich Konzepterstellung mit System und KI in Trainings vermittle, finden Sie hier.

Gerade im Change wird das besonders sichtbar

Besonders deutlich wird das in Veränderungsprozessen.

Denn Veränderung scheitert selten an fehlenden Ideen. Sie scheitert häufig daran, dass Ziele unklar bleiben, Stakeholder zu spät eingebunden werden, Nutzen nicht überzeugend vermittelt wird oder gute Ansätze irgendwo zwischen Meeting, Report und Maßnahmenplan versanden.

Genau hier braucht es Konzeptkompetenz.

Und genau hier kann KI ein sehr guter Sparringspartner sein. Nicht als Orakel. Nicht als Abkürzung fürs Denken. Sondern als Werkzeug, um klarer, schneller und wirksamer zu konzipieren.

Wer KI sinnvoll nutzt, kann Ziele besser schärfen, Argumentationen präziser zuspitzen, Varianten schneller entwickeln und Kommunikation überzeugender vorbereiten. Aber das funktioniert nur dann gut, wenn der konzeptionelle Kern stimmt.

Die gute Nachricht: Niemand muss schon Triathlet sein

Die Unterschiede in der KI-Kompetenz sind kein Problem, das man peinlich berührt verstecken müsste. Sie sind im Moment schlicht Realität.

Und die gute Nachricht ist: Niemand muss schon Triathlet sein.

Aber es hilft, systematisch schwimmen zu lernen.

Wer versteht, wie KI sinnvoll in die eigene Konzeptarbeit eingebunden werden kann, gewinnt nicht nur Tempo, sondern oft auch mehr Klarheit, bessere Struktur und mehr Souveränität in der Konzeptarbeit.

Fazit

Konzeptkompetenz und KI gehören zusammen. Nicht irgendwann – jetzt.

Denn die Zukunft gehört nicht nur den Menschen mit guten Ideen, sondern denen, die daraus tragfähige Konzepte machen: mit System, mit klarem Kopf und gern auch mit KI.

Wenn Sie das Thema weiter vertiefen möchten, finden Sie auf meiner Übersichtsseite zu Konzeptentwicklung weitere Angebote, Impulse und Ressourcen.