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Internationales Managementtraining in Singapure

Wie global sind wir wirklich?

30 Grad, 90 % Luftfeuchtigkeit, Jetlag. Ich bin in Singapur gelandet, einer vibrierenden Stadt im Tropengürtel, deren rasante Entwicklung von einem bunten Bevölkerungsmix vorangetrieben wird. Alles in dieser Stadt ist auf (kulturelle) Diversität ausgerichtet: Tempel finden sich neben Kirchen und Moscheen. Restaurants bedienen jeden Geschmack und jede Preisklasse. Ursprüngliches neben ultramoderner Architektur und vorbildlichen Transportsystemen. Die Beschilderung erfolgt hierbei grundsätzlich in den vier Hauptsprachen des Inselstaates (Englisch, Chinesisch, Malaiisch, Hindi) und deren Schriftarten. Bereicherung oder babylonische Verwirrung?

Am nächsten Morgen: Im Trainingsraum einer internationalen Hightech Firma herrschen heruntergekühlte 12 Grad. Vor mir sitzen 12 Führungskräfte aus 9 verschiedenen Nationen. Alle arbeiten in multinationalen, zum Teil virtuellen Teams und Kontexten. Moderne Arbeitsnomaden und Vielflieger. Unternehmen, Institutionen und die gesamte Gesellschaft kommunizieren und arbeiten zunehmend internationaler. Die Welt rückt zusammen und wir werden vernetzter und globaler – doch verstehen wir uns dadurch automatisch besser? Und wie „global“ sind wir wirklich?

Auch wenn die Welt in vielerlei Hinsicht zu einem globalen Dorf geworden ist, so sind wir dennoch geprägt von unseren Wurzeln, Werten und Gewohnheiten. So trat neulich ein befreundeter Manager seinen neuen Posten als Arbeitsdirektor in China mit dem Fahrrad an. Während in der westlichen Welt dieses Verhalten eher als sportlich, leistungsbewusst, umweltbewusst und nahbar betrachtet wird, stieß der Direktor in China auf absolutes Unverständnis und Entsetzen bei seinen neuen Kollegen und Mitarbeitern. „Warum?“, wollte er von mir wissen. In weiten Teilen Asiens hat Macht und Hierarchie traditionell eine andere Bedeutung. Respektpersonen wird hier eine große Macht und Entscheidungskompetenz zugesprochen. Und diese Rolle möchte bitte respektvoll eingehalten werden, weil sonst die eigene Position und das eigene Weltbild in Frage gestellt wären. Manager möchte man lieber in großen Autos chauffiert als in der Menge auf dem Fahrrad radelnd sehen.

Wie dieses Beispiel zeigt, sind wir alle von unserem kulturellen Hintergrund geprägt. Was für uns wichtig ist, ist nicht unbedingt für andere wichtig. Was für andere Nationen oder Gruppen einen hohen Stellenwert hat, ist nicht unbedingt gleichbedeutend für andere Gruppierungen. Und jeder möchte gesehen und respektiert werden!

Die Begegnung und Zusammenarbeit von Menschen vielfältigster Herkunft sind Herausforderung und Chance zugleich. Chance, weil die verschiedenen Perspektiven sich bereichern können, in der Gesamtschau ein vielfältigeres Bild ergeben und natürlich die Bedarfe einer globalen Welt besser erfüllen können. Herausforderung oder Risiko, weil sprachliche und noch schwerwiegender kulturelle Verständigungsprobleme zu Missverständnissen und Konflikten führen können.

Missverständnisse – verbaler und nonverbaler Art - sind schon im normalen Leben, noch mehr jedoch im interkulturellen Kontext vorprogrammiert. Beispiel: Was heißt ein „Ja“ meines Partners am Ende eines Gespräches? Heißt das „Ja, so machen wir das!“ (Deutschland) oder vielleicht nur „Ja, ich habe Dich gehört“, wie in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern, wo ein „Nein“ viel zu unhöflich wäre.
Auch die einfache Körpersprache kann eine andere Bedeutung haben: So wird in Indien beispielsweise die Bejahung durch ein Kopfschütteln angezeigt. Verwirrend? Natürlich, weil wir alles ganz automatisch zunächst aus unserem gewohnten Bedeutungskontext interpretieren.

„We don’t see things as they are, we see things as we are“
Anais Nin

Interkulturelle Kompetenz beginnt also mit einem Blick auf die eigene Kultur und dem Bewusstsein, dass Menschen(-gruppen) unterschiedlich sind. Um diese Unterschiedlichkeit als Bereicherung erleben und nutzen zu können und nicht als Irritation und Befremdung zu empfinden, ist es wichtig -neben interkulturellen – Kommunikationskompetenzen, Neugier und Offenheit für das „Andere“ zu entwickeln. Neben echter Begegnung gibt es dann noch ein weiteres Geschenk: Ein besseres Verständnis von uns selbst, den vieles können wir erst im Spiegel des „Anderen“ erkennen.

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