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Die Kunst der Problemerkennung

Wohin mit 10.000 Mehlsäcken?

Neulich im Kreativitätstraining brachte eine Teilnehmerin ein interessantes Thema mit: Nämlich 10.000 Mehlsäcke. Nicht physisch natürlich. Stattdessen äußerte sie die Frage, wie sie - in dem Werk in dem sie als Lebensmitteltechnikerin arbeite - dieses Testmaterial lagern könne.

Die Last dieser Säcke, die auf den zarten Schultern ruhte, war deutlich im Trainingsraum zu spüren. Da war Kreativität gefragt, so war der allgemeine Beschluss. Hier musste eine Lösung gefunden werden.Natürlich eilten die Kollegen schnell mit vielen Ideen zu Hilfe:

„Man könne ja Lagerraum anbauen!“, lautetet ein Vorschlag. – „Zu teuer!“, kam schnell die Antwort der Problembesitzerin.
„Wie wäre es mit der Anmietung von flexiblem Lagerraum?“ – „Auch zu teuer!“
„Oder einfach in die Höhe stapeln?“ – „Zu riskant!“
„Schneller das Material verarbeiten?“ – „Nicht möglich!“ …

Neben dem vertrauten Phänomen, das in der Regel für jede Idee rasch ein Totschlagargument zur Verfügung steht und somit jede Kreativität sofort im Keim erstickt wird, drängte sich hier eine ganz andere Frage auf: Wo genau liegt eigentlich das Problem? Wo fängt es an? Wer oder was ist davon betroffen?

Eines der ersten und zugleich größten Herausforderungen beim Entwickeln von Lösungen besteht darin zu erkennen, worin das Problem oder die Herausforderung besteht. Oft sucht man zunächst an der falschen Stelle. Schon Einstein stellte fest: „Man kann das Problem niemals mit der gleichen Denkweise lösen, mit dem es entstanden ist.“ Meist ist also die Problembeschreibung schon Teil des Problems.

Wir erforschten also nach Herzenslust das Problem und betrachteten es aus anderen Perspektiven, bis wir dann beim grundlegenden Thema landeten: Mangelnde Absprachen von Produktion, Vertrieb und Kunde führten zu dem Mehlberg! Daher hätten mehr Lagerkapazitäten das Problem auch nicht gelöst, sondern nur verlagert (ablaufende Haltbarkeitsdaten, Kunde muss lange auf Ergebnisse warten etc.). Nachdem das Problem nun klar und eingegrenzt war ergaben sich plötzlich ganz andere Handlungsmöglichkeiten.

Manchmal ist schon eine gute Problemerkennung eine äußerst kreative Leistung! Weil sie eine neue Perspektive beinhaltet und eine neue Haltung ermöglicht: Vom Opfer zum Gestalter. Das Thema Mehlsack ist nun gelöst. Bessere Absprachen führen jetzt zur bedarfsorientierten Anlieferung, so dass die Lebensmitteltechnikerin weniger Lagerfläche benötigt und eine bessere Planbarkeit hat. So ist jetzt auch der Kunde zufrieden, weil er nun seine Ergebnisse zeitnah bekommt.

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